November 5, 2009

Volkenkunde Museum Leiden und tibetanische Nonnen

Tibetanische Nonnen

Tibetanische Nonnen fertigen ein Meditations-Mandala aus Sand an

Letzte Woche war ich im Museum für Völkerkunde in Leiden. Morgens hatten wir direkt im Museum von einem Seminar aus ein Gespräch mit dem Museumsdirektor, in dem er uns Einzelheiten zu den Ausstellungen erläutert hat. Besonders spannend fand ich die Tatsache, dass sich die sechs wichtigsten Museen in den Niederlanden, die ähnliches ausstellen, eine gemeinsame ethische Grundlage erarbeitet haben. So lehnen sie z. B. nicht generell ab Mumien auszustellen, sondern zeigen nur dann keine, wenn es in dem Heimatland der Mumien auch nicht so praktiziert wird. In Peru z. B. werden Mumien anscheinend immer noch in Prozessionen gezeigt, und daher finden es die Museen auch legitim, Mumien aus Peru auszustellen.

Das Museum an sich fand ich persönlich nicht so spannend. Im Asien-Teil wurde eine Einführung in den Buddhismus und den Hinduismus gegeben, das war richtig gut gemacht, aber grundsätzlich mag ich persönlich keine Völkerkundemuseen. Es sind zu viele verschiedene Eindrücke aus zu vielen verschiedenen Ländern auf einmal, und ich lerne Länder oder Kulturen wohl lieber langsamer und durch Reisen kennen. Ich weiß, das ist quasi die Luxusvariante *g – aber das ist meine sehr persönliche Meinung. Das Museum ist relativ modern, es gibt immer wieder Monitore an denen man Zusatzinformationen abrufen kann. Generell stehen an vielen Schaukästen weiter unten (quasi auf Kinderaugenhöhe) Infos, die speziell auf Kinder zugeschnitten sind.

Mandala

Meditations-Mandala aus Sand

Als besonderes Highlight waren gerade tibetanische Nonnen da, die mit speziell gefärbtem Sand ein Meditations-Mandala gemacht haben. Das aufwändige Arbeiten mit dem Sand ist wohl eine besondere Art, die Konzentration bei der Meditation aufrecht zu erhalten. Ich fand ganz profan die Musik sehr entspannend und habe eine Weile zugeschaut.

Oktober 25, 2009

Alte Pinakothek, Marienplatz, Peterskirche und Blutenburg: München!

Albrecht Dürer: Selbstporträt

Albrecht Dürer: Selbstporträt

Mitte Oktober war ich für ein paar Tage in München, und diesmal habe ich es doch tatsächlich geschafft, ein bisschen Touriprogramm zu machen: Erst einmal ging es in die Alte Pinakothek, das hatte ich schon mehrmals auf meiner Liste, bin aber irgendwie nie dazu gekommen. Was mich umgehauen hat gleich am Anfang waren die Preise: 13 Euro ohne Ermäßigung, als Student immer noch 10,50 Euro. Puh! Ganz schön heftig! Aber es hat sich gelohnt: ein wirklich sehenswertes Museum – mit Sicherheit unter meinen Top 5 Museen weltweit dabei! Die Bilder sind sehr schön thematisch angeordnet und wirken in den hohen Räumen wirklich sehr gut. Ich denke, ich habe selten so viele berühmte Namen in einer festen Ausstellung gesehen. Hier ist ein Rembrandt oder Rubens nicht die Ausnahme sondern eher die Regel. Fazit: Trotz hoher Eintrittspreise absolut empfehlenswert!

Rathaus in München

Rathaus in München

Vom Marienplatz habe ich auch endlich mal ein paar Bilder gemacht und habe mir den Innenhof des Rathauses mal genauer angeschaut, lohnt sich auch sehr!

Hl. Honoratius aus den Katakomben

Hl. Honoratius aus den Katakomben

Auf der anderen Seite vom Marienplatz ist die Peterskirche – die älteste Kirche Münchens und lt. Reiseführer hat die Kirche die tiefste Glocke Bayerns. Ja, muss man mal gehört haben ;-) Die Kirche ist innen ein Paradebeispiel für Pracht und Prunk, was ich zum ersten mal in einer deutschen Kirche gesehen habe, waren offene Reliquienschreine. Also klar, in Museen ist das ja keine Seltenheit, und aus Büchern kenne ich es auch, und es gibt ja auch extra Gebeinhäuser. Aber dass mitten in der Kirche das Skelett einer Frau in Seide gehüllt und mit Gold bestickt angebetet wird, habe ich so noch nie gesehen. In einem Seminar diskutieren wir bereits seit Wochen die ethischen Aspekte bei dem Ausstellen von Mumien und die Reliquie in der Peterskirche hat mich nachhaltig beschäftigt, ich werde jetzt meine Hausarbeit dazu über die christlichen Aspekte beim Ausstellen von Mumien schreiben.

Blutenburger Kapelle

Blutenburger Kapelle

Unter „geKnipst“ sind wie immer die Fotos eingestellt, am Schluss kommen noch ein paar Fotos von der Blutenburg, ein wirklich schöner Platz zum Drachensteigen lassen (wenn mal Wind geht in München…) oder einfach um draußen zu sein. In der Blutenburger Kapelle ist auch eine Madonna, die wurde Anfang der 70er Jahre gestohlen und wohl nach kurzer Zeit wieder aufgefunden: auf dem Dachboden des Schauspielers Walter Sedlmayer, der selbstverständlich nichts davon wusste. Aber anscheinend war das der Grundstein für seine weitere Karriere, denn jetzt war er in aller Munde und bekam Aufträge – die davor nicht so häufig vorhanden waren. Da trifft wohl der Spruch zu: „Jede Publicity ist gute Publicity!“

Oktober 12, 2009

Exkursion nach Amsterdam und Leiden

Krumme Häuser in Amsterdam

Krumme Häuser in Amsterdam

Anfang Oktober war eine Seminargruppe aus Greifswald auf Exkursion in den Niederlanden – und da ich letztes Semester auch in dem Seminar war, habe ich auch daran teilgenommen. So war ich zum ersten Mal in Amsterdam – und völlig enttäuscht. Ich bin mir nicht sicher ob es der starke Regen war, der mich trotz langer Regenjacke bis auf die Haut durchnässt hat, oder ob es die vielen Neonwerbelichter waren, die das Flair der Stadt in meinen Augen völlig zerstörten.

Gut, bei dem Regen war ich zumindest teilweise selber schuld: wir hatten einen Niederländer dabei, Hielke, und Hielke hatte sich, als es ein bisschen tröpfelte, komplett umgezogen. Auf einmal stand er da mit Regenhose und Regenjacke. Wir haben uns noch darüber lustig gemacht… tja. Kapitaler Anfängerfehler, würde ich mal sagen. Auf einmal regnete es nämlich so stark, dass die Regenhose durchaus angebracht war. Lerne: niemals einem Niederländer misstrauen, wenn es um Regen geht!

Hooglandse Kerk in Leiden

Hooglandse Kerk in leiden

Ich habe daher nur in den wenigen Regenpausen ein paar Bilder gemacht – und muss unbedingt bei schönem Wetter nochmal nach Amsterdam um zu schauen, ob die Stadt nicht doch schön ist.

An einem Tag der Exkursion ging es auch nach Leiden – und dort herrschte dann Kaiserwetter! Bilder wie immer unter „geKnipst“.

Oktober 2, 2009

Freilichtmuseum Arnheim

Bauernhaus Grundgerüst

Bauernhaus Grundgerüst

Vor ein paar Tagen war ich mit Gerlinde in Arnheim im Openluchtmuseum. Bauernhöfe aus verschiedenen Jahrhunderten waren zuhauf zu sehen; außerdem viele verschiedene Einrichtungen, so z. B. eine alte Schmiede in der sogar ein Schmied tätig war. Das besondere an diesem Museum war nicht nur, dass Sachen ausgestellt waren, sondern dass Leute dort noch mit diesen Sachen gearbeitet haben. So gab es auch eine Frau die am Spinnrad Wolle gesponnen hat.

Spinnrad

Spinnrad

Einmal sind wir in ein Haus gegangen und es roch von außen überall nach Essen. Über uns hingen Bohnen zum Trocknen und wir haben uns bereits gewundert ob das evtl. der Ursprung dafür sein könnte, aber innen angekommen saßen tatsächlich zwei Frauen in historischer Tracht am Tisch und aßen Suppe und redeten miteinander. Man kam sich vor wie mitten in ein anderes Jahrhundert zurückversetzt.

Auch viele alte Geräte waren zu sehen, so z. B. Pflüge, Karren, Kutschen und sogar eine Getreideputzmaschine, die ich aus meiner eigenen Kindheit auf dem Bauernhof auch noch kenne – allerdings eine gute Nummer größer als die, die hier ausgestellt war.

Windmühle

Windmühle

Was auch gegen den typischen Museumscharakter sprach, waren die vielen Leute aus allen Altersgruppen. Es war tatsächlich ein soziales Event für die Leute. Und man hatte einfach selten das typische Museumsgefühl: nichts anfassen, ruhig sein… traf alles nicht zu. Fast jeder Bauernhof hatte einen großen Obst- und Gemüsegarten dabei, und manchmal wollte man selber fast ernten, so viel war reif.

Außerdem habe ich endlich mal mehr als nur ein paar vereinzelte Windmühlen gesehen – ja, in Holland gibt es immer noch viele Windmühlen, das Klischee trifft voll zu :-)

Bauernhaus

Bauernhaus

Was mich auch erstaunt hat, war die blaue Farbe, mit der viele Häuser innen oder außen gekalkt waren. Aber anscheinend wurde das früher in Bauernhöfen verwendet, um die Mücken abzuhalten. Hmm. Hatte ich vorher zumindest noch nie gehört, ob es wirklich geholfen hat – keine Ahnung!

Sehr seltenes Schaf!

Sehr seltenes Schaf!

Auf dem ganzen Areal verteilt gab es auch Tiere – und zwar immer seltene Tierarten, die früher hier heimisch waren und mittlerweile am Aussterben sind. Daher habe ich zig Hühner und noch viel mehr Schafe fotografiert. Fotos wie immer unter geKnipst!

September 19, 2009

Prinsjesdag 2009

Königin Beatrix bei der Rede am Prinsjesdag 2009

Königin Beatrix bei der Rede am Prinsjesdag 2009

Mit der königlichen Familie in den Niederlanden scheine ich nicht so viel Glück zu haben: Zwar war Königin Beatrix erst vor drei Wochen in Leiden um das Uni-Hauptgebäude nach über 3 Jahren Renovierungszeit wieder feierlich einzuweihen, aber da war ich blöderweise gerade in Deutschland. Letzte Woche nun war „Prinsjesdag“, Prinzentag also, und ich habe es blöderweise erst abends erfahren… vielleicht sollte ich doch mehr Klatsch und Tratsch lesen um zumindest einmal die Königin hier zu erleben… kann ja nicht so schwierig sein, so groß ist das Land ja nicht, so weit kann sie nicht weg :-)

Eingang zum Rittersaal

Eingang zum Rittersaal

Eine Bekannte von mir war bei dem Prinsjesdag und sie war schwer beeindruckt von der goldenen Kutsche, der gläsernen Kutsche, den wunderschönen schwarzen Rappen und dem ganzen Rummel, der dazu gemacht wird. Der Prinsjesdag ist für die niederländische Politik ein bedeutender Tag, das parlamentarische Sitzungsjahr wird an dem Tag eröffnet, jedes Jahr am dritten Dienstag im September. Das niederländische Staatsoberhaupt, also immer noch Königin Beatrix, hält die Thronrede, in der die Regierung die Zielsetzungen ihrer Politik für das kommende Jahr bekannt gibt. Im Anschluss daran finden in der Zweiten Kammer der Generalstaatend, dem Unterhaus des Parlaments der NL, die so genannten „allgemeinen Betrachtungen“ statt, in deren Rahmen die Rijksbegroting, der Reichshaushalt, auch miljoenennota genannt, debattiert wird.

Goldene Kutsche

Goldene Kutsche

Der Prinsjesdag ist mit viel Ritual verbunden. Die Königin fährt mit der Goldenen Kutsche vom Paleis Noordeinde zum Rittersaal in Den Haag (zumindest außen war ich da schon, ist ein Teil des Regierungsgebäudes), und der Niederländische Finanzminister trägt einen Koffer bei sich, der die Aufschrift „Dritter Dienstag im September“ trägt. In diesem Koffer befindet sich die miljoenennota. Deren Inhalt wird offiziell bis zum Prinsjesdag geheim gehalten, obwohl Einzelheiten häufig bereits vorab durchsickern.

oranjes

Prinzessin Maxima, Kronprinz Willem-Alexander und Königin Beatrix

Im 18. Jahrhundert war der Prinsjesdag einer der beliebtesten Feiertage des Landes, an dem ursprünglich der Geburtstag des Statthalters Prinz Wilhelm V. von Oranien am 8. Mai gefeiert wurde. Daher stammt auch die Bezeichnung Prinsjesdag. Zwischen 1780 and 1797 — bekannt als die Patriotische Ära — fanden an diesem Tag auch besondere Loyalitätsbekundungen der Bevölkerung gegenüber den Oraniern statt. Möglicherweise wurde deshalb, jedoch erst ab etwa 1930, der Name Prinsjesdag auch für die feierliche Eröffnung des Parlaments verwendet.