Dezember 22, 2008...9:45

Schwäbische Sitten und Bräuche: Christbaum loben

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Christbaum

Christbaum

Auch wenn ich mittlerweile schon über 3 Jahre an der Ostseeküste lebe, so habe ich meine Wurzeln doch nicht vergessen: ich komme „von dr Alb ra“, mitten aus dem Herzen der Schwäbischen Alb. Ich kenne alle Höhen und Tiefen der rauen Alb, und dass es auf der Alb von September bis Mai Nebel haben soll kenne ich nicht nur von Gerüchten. Aber es hat auch seine guten Seiten: wer dieses „Hardcore-Schwäbisch“ versteht gehört einer ganz speziellen Spezies an, und besonders zu Weihnachten sollte man einen Moment innehalten und sich dessen auch bewusst werden. Auf der Alb wird nämlich ein ganz besonderer Brauch gepflegt, den ich gerne in die Welt hinaustragen helfe: Christbaum loben!

Bereits vor 3 Jahren habe ich kurz darüber geschrieben, und da ich seit Wochen zwischen 15 und 20 Anfragen täglich über Suchmaschinen mit „Christbaum loben“ zu diesem Artikel bekomme, besteht sichtlich bei manchen noch ein Defizit – da helfe ich doch gerne und beschreibe den Brauch mal etwas ausführlicher :-)

ramaAls erstes braucht man einen Weihnachtsbaum, also (wir sind katholisch auf der Alb) einen Christbaum. Meinen Christbaum hier habe ich vor 3 Jahren bei einer Party von Isaabl abgestaubt – er wurde bereits ausführlich gelobt, kennt sich also damit aus. Dann braucht man einen Schnaps. Am besten ist irgendein Obstler (ich persönlich bevorzuge einen Willi, aber da wollen wir mal nicht zu kleinlich sein). Aber eigentlich geht alles – hier in dem Feldversuch den ich allein durchführen werde, nehmen wir einen Ramazzotti. Die Flasche sollte zu Beginn des Lobens am Besten voll sein (kleiner Tipp).

Und dann geht es los: an Weihnachten werden ja oft nicht nur Verwandte sondern auch Freunde und Bekannte besucht. Meist wird dann direkt in die gute Stube gegangen, und dort steht ja auch immer der Christbaum. Und wenn man diesen Christbaum dann vor Augen hat, fängt man an, ihn über alle Maßen zu loben. Ja, so ein schöner Baum aber auch! So ebenmäßig gewachsen! Also diese Zweige, nein, was sind die regelmäßig angeordnet. Und das Lametta – völlig symmetrisch! Die Farbe der Kugeln ist wirklich absolut toll getroffen dieses Jahr, dieses klassische rot, das ist einfach zeitlos. Und auch die Strohsterne dazu – alt und neu vereinigen sich in einer absoluten Symbiose des Seins.

Aus Ermangelung an einem Schnapsglas hier eben ein 0,4 l Ikea-Glas - nicht zur Nachahmung empfohlen!

Aus Ermangelung an einem Schnapsglas hier eben ein 0,4 l Ikea-Glas - nicht zur Nachahmung empfohlen!

Dies sollen nur ein paar Beispiele sein, der persönlichen Lobhudelei sind da selbstverständlich keine Grenzen gesetzt. Kurz und Gut: der Baum wird völlig übertrieben und überdeutlich gelobt. Dies geht dann so lange, bis der Gastgeber dem Lobenden einen Schnaps anbietet. Und dann trinkt man zusammen auf den Baum. Übrigens wird ein Baum pro Tag nur einmal gelobt – Sinn und Zweck ist es ja, dass man nicht an einem Ort verhockt sondern quasi dazu aufgefordert wird, Freunde und Bekannte (und natürlich auch Verwandte) zu besuchen. Na gut, das war jetzt die offizielle Variante – inoffiziell kann man natürlich loben so oft man will. Und manche Bäume muss man sich ja auch einfach schöntrinken *g

In diesem Sinne: Schöne Weihnachten :·)

7 Kommentare

  • Na zum Glück hast Du meinen 30er Christbaum nicht abgebildet.
    Sagen wirs mal so, man munkelt ja, dass einige Christbäume deshalb so hässlich aussehen, damit man beim Loben mehr Grund hat sich zu besaufen…
    Birgits Alle-Jahre-Wieder-Bäumchen ist genau aus dieser Kategorie!!

  • Wieviel Bäume hast du heute schon gelobt? *grins* – natürlich ist das dein Bäumchen, Isaabl!

    Und sooo hässlich ist er gar nicht… gut, ok… ich trinke ihn mir seit 3 Jahren schon schön, aber immerhin habe ich es dieses Jahr endlich mal geschafft ihn zu fotografieren. Hast du überhaupt einen Baum bei dir?

  • nein, ich habe keinen Baum, denn einen richtigen Baum würden meine Katzen entern und das Pseudobäumchen habe ich ja – in einem Anflug unendlicher Selbstlosigkeit – Dir geschenkt.
    Aber ich werd mir wieder ein Dauerbäumchen besorgen. Vielleicht finde ich ja gerade jetzt nach Weihnachten ein günstiges Exemplar. Wir können aber für nächstes Jahr einen Wettbewerb ausrufen für den „hässlichsten ever gelobten Krischbaum“, so wie sie in der USA den hässlichsten Hund küren…

  • …wobei Du unter Deinen dann korrekterweise schreiben müsstest: „Sponsored by Isaabl“.

  • …“vereinigen sich in einer absoluten Symbiose des Seins.“

    Und das als Kommentar zu Strohsternen und Kugeln! Ist das für ‘ne Theologie-Studentin nicht fast ein bisschen blasphemisch?

    Ansonsten: tolle Tradition, werde ich nächstes Jahr hier bei uns einführen.

  • Allgäuer Brauchtum:
    zum Christbaum loben müssen auch einige Kriterien erfüllt sein.

    Es muss ein echter Baum sein, er muss eine Spitze haben, es muss etwas selbst gebasteltes, etwas aus Stroh und mindestens eine echte Kerze am Baum sein. Im Christbaumständer muss Wasser sein und es muss eine Krippe mit Maria, Josef und dem Jesuskind aufgestellt sein.

    Also strengt Euch an damit Euer Christbaum gelobt werden kann und der Schnaps nicht schlecht wird.


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